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Brigitte Witzenhause   geb. 1979

Studium Regie: Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin, 1999-2004

Studium Medienregie: Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin, 2001-2003 Tutorium: Studio für audiovisuelle Medien

CD-Rom-Produktionen, Präsentationen und Projektdesign für „musikakzente 21“, Berlin 2002-2004

Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg, Klasse VALIE EXPORT, Salzburg 2004

Produktionen:   theatral

2004 ARTIKULATION LIGETI+++ Musik-Theater-Projekt im Grenzbereich zu szenischer Performance, Installation und Video/Mediengestaltung, Akademie der Künste, Berlin (op. 1)

2002 Schubert Metamorphosen_ ancient voices: Ein musik-theatralisches Projekt, Reinbeckhallen, Berlin

Produktionen:   medial

2004 CD-Rom Produktion „musikakzente 21“ (projekte, zyklen, strukturmodelle, netzwerk) Medienkonzeption und künstlerische Realisierung im Auftrag von “musikakzente 21“, Berlin

2003 CD-Rom-Prod. / mediale Aufführungsdokumentation „Ein Treffen in Telgte...Die Reise“ im Auftrag der “REGIONALE 2004“, NRW und „musikakzente 21“, Berlin

Akademie der Künste
Kultur-Stiftung der Deutschen Bank
Senatsverwaltung - Berlin
Galerie Kienzle & Gmeiner
Duracell
Regionale 2004
Musikakzente 21
Wolfgang Selbach
Chrstian Bennat
Webdesign - Flash - Animation - Illustration - Layout - Print



Hoof-In: Steptanz - Tapdance in Berlin
Angela Bohrmann - Schauspielerin
Christa Bennat - Malerei - Collagen

Artikulation LIGETI+++ Programm:

Artikulation I György Ligeti, Artikulation (1958), Elektronische Musik Leo_ Janá_ek, Ríkadla (Kinderreime) für Soli und 10 Instrumente

Artikulation II György Ligeti, Aventures (1962) für 3 Sänger und 7 Instrumentalisten

Artikulation III György Ligeti, Poème Symphoniques (1962) Hildegard von Bingen, O virga ac diadema

Artikulation IV Wolfgang Amadeus Mozart, Finale II Larghetto, aus: Così fan tutte György Ligeti, Finale Passacaglia, aus: Le Grand Macabre (Version 1996)

Artikulation LIGETI+++ verarbeitet, ausgehend von Ligetis Artikulations-Stücken, das Thema Artikulation und Kommunikation zu einem intermedialen (Musiktheater-)Kunst-Werk. Sprache und Musik werden hier zum Forschungsmaterial, auf der Suche nach Ausblicken neuer Artikulationsmöglichkeiten heutigen Musiktheaters.

György Ligeti gilt unbestritten als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Komponisten der Gegenwart. Sein Werk gleicht einer permanenten Forschungsreise: Er fand Anregungen in anderen Kulturen und Künsten, experimentierte mit phonetischen Elementen der „Sprache“, Gesten und Emotionen, verarbeitete Elemente der Alten Musik oder des Jazz in seiner Musik.

„Unterwerfe ich mich völlig einer Konvention, ist mein Produkt wertlos. Stehe ich außerhalb jeglicher Konvention, ist es sinnlos.“ (Ligeti)

Mit jahrzehntelanger Konsequenz meidet Ligeti die Tradition. Seine Musik entwickelt sich nicht in Abläufen motivischer Verarbeitung, sondern in technologisch gedachten Prozessen der Verdichtung, Eskalation, Desorganisation. Dieser Bruch mit der Tradition ist dennoch nicht undialektisch, vielmehr kritische Reflexion der Musikgeschichte.

Ligetis Werk animiert den Hörer zu jener Freiheit der Assoziation, zu jener Entdeckerfreude und Offenheit, wie sie sich der Komponist selbst über die wechselnden Konstellationen seines Schaffens bis heute bewahrt hat.

ARTIKULATION LIGETI+++ greift als Musik-Theater-Projekt im Grenzbereich zu Installation, szenischer Performance und Videoarbeit Ligetis Entdecker- und Experimentierfreude auf und hinterfragt - ausgehend vom Werk György Ligetis - die Tradition der Oper mittels experimenteller Montage-Technik.

Die formale Gestaltung des Abends ist Ausgangspunkt für Programm und „Artikulation“. In vier „Artikulationsteilen“ werden Ligetis Werke mit Werken unterschiedlicher Epochen kontrastiert. So treffen Ligetis Artikulations-Stücke auf „Artikulationen“ von Janácek, Jandl, von Bingen und Mozart.

Artikulation II Programmatischen Leitfaden für die Ouvertüre des Projektes bilden Vorstufen von Laut-Äußerungen. Gegenüber stehen sich Ligetis elektronische Komposition Artikulation und Janáceks Kinderreime. Ligetis Artikulation (1958) erinnert an wechselnde Gesprächssituationen, die bald einem undeutlichen Murmeln, mal einem heftigen Disput, bald wieder vergnüglichen Apercus gleichen. Janáceks Kinderreime –als exemplarisches Beispiel frühkindlicher Vokaläußerung- setzen Ligetis imaginären Sprach- und Ausdruckswelt eine archaische, rätselhafte Konkretheit entgegen.

Artikulation I Der erste Hauptteil des Abends befasst sich mit dem Phänomen der asemantischen Sprache. Ligetis Aventures trifft hier auf Jandls Radiophone Texte.

Ligeti verwendet in Aventures den „Text“ rein phonetisch und radikalisierte auf solche Weise andere ähnliche Versuche. Aventures ist in dieser Hinsicht das musikalisch reinste aller existierenden Vokalwerke: Zum ersten Mal wird hier Sprache musikalisch assimiliert. Dieser komponierte „Text“ wird von 3 Sängern gesprochen und gesungen; es entstehen Szenen typisch menschlicher Interaktionen, jedoch ohne irgendeine poetisch-semantische Bedeutung. Integriert in diese Aktion ist ein Ensemble von sieben Instrumentalisten, das die Wort-Musik entweder akzentuiert, unmittelbar auf die Aktionen reagiert oder wie eine Klang-Folie die Fast-Stille gleichsam auflädt.

Ernst Jandls Werk muss in der Entwicklung der Poesie der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts als Meilenstein angesehen werden. Jandls Radiophone Texte – als herausragendes Beispiel seiner experimentellen Gedichte – beschäftigen sich mit Abweichungen von der Sprach- und Sprechnorm. Es handelt sich hierbei um einen Grenzbereich zwischen Dichtung und Musik, der Ligetis Aventures mit Sprach- und Wortwitz zu kontrastieren vermag.

Artikulation III

Im zweiten Hauptteil begegnen sich Ligetis Poème Symphonique und Hildegard von Bingens Antiphonen. Musik in Schichtungen: „instrumental“ durch Überlagerung von Metrum in Poème Symphonique und „vokal“ durch Überlagerung von Stimmen in Antiphonen.

Poème Symphonique ist Ligetis bekannteste „Provokation“ für 100 pyramidenförmige Metronome. Das Werk vermittelt extreme Hör-Erfahrungen durch die verblüffende unvorhersehbare Zufalls-Polymetrik der 100 durcheinander schlagenden Metronome: Tickende Apparate, ein Übermaß an Bewegung, das schließlich in Stillstand endet. Die Installation wird Ligetis akustisches Spannungsfeld optisch zu erweitern suchen und in neue Zusammenhänge stellen. Hildegards Lieder und Gesänge für vier Frauenstimmen sind demgegenüber in ihrer improvisatorischen Wirkung eher kongruente Setzung als Kontrast.

Artikulation IV

Was nur noch folgen kann, ist das ironische Zitat eines Finales, eines Opernfinales unter falschen Voraussetzungen. Gegenübergestellt und hinterfragt werden zwei Opern–Finali: Mozarts Così fan tutte und Ligetis Anti-Anti-Oper Le Grand Macabre. Das persönliche Desaster nach Partnertausch und Liebesexperiment in Così fan tutte trifft auf das Weltuntergangs-Szenario in Le Grand Macabre. Das „falsche Finale“ Mozarts wird dabei medial entgrenzt: Live Musik mit Bild-Marionetten. In Ligetis Le Grand Macabre bleibt ungeklärt, ob der erwartete Tod bereits eingetroffen ist oder verpasst wurde. Schließlich bleibt doch alles beim Alten, als wäre nichts geschehen. Der Tod und die ungewisse Zukunft scheinen egal, es gibt nur das „Hier und Jetzt“.

Gefördert durch: Akademie der Künste Hauptstadtkulturfonds Akademie Musiktheater Heute, Eine Initiative der Deutschen Bank Galerie Kienzle-Gmeiner, Berlin

Besetzung:

Musikalische Leitung                Anna Shefelbine Regie und Mediengestaltung          Brigitte Witzenhause Kostüme                             Jutta Bobbe

Assistenz Regie                     Sibylle Polster Assistenz Musik                     Henning Ehlert Assistenz Kostüm                    Odile Hautemülle Assistenz Video                     Astrid Menze Realisierung Grafik                 Christian Bennat

Produktionsleitung                  Brigitte Witzenhause Pressearbeit                        k3 berlin

Fotografie:                         Wolfgang Selbach

Darsteller:                         Anna Prohaska (Sopran)                                     Ruth Rosenfeld (Sopran)                                Manijé Sabet-Baktach (Alt)                                     Kristina Herbst (Alt)                                     Hartmut Kühn (Tenor)                                     Adrien Mechler (Tenor)                                     Markus Matheis (Bariton)                                     Benedikt Simon Zeitner (Bariton)

Kammerorchester: Cem Aktalay, Valentin Andert, Boran Fang, Anja Götze, Gillian Hansen, Dorotha Imieninska, Michael Kafantaris, Janine Lungwitz, Robin Meneses, Marcella Möllinger, Aurelie Roussel, Paul Schimmelpfennig, stefanpaul, Justin Texan, Cheng Yi

musikakzente 21 Projekte-Zyklen-Strukturmodelle-Netzwerk

In vier Ebenen (Projekte-Zyklen-Strukturmodelle-Netzwerk) bietet diese CD-Rom Einblicke in das Konzeptions- und Gedanken- „Gebäude“ von „musikakzente 21“ resp. Eberhard Kloke.

Es geht um eine audio-visuelle Komprimierung und Kurzfassung der in der Diskussion befindlichen Inhalte, Konzepte und Projekte von „musikakzente 21“, die das veranschaulichen, was gerade nicht nur verbal zu demonstrieren oder zu erläutern wäre. Die Filme und Animationen versuchen die jeweilige Werk-Intention, die Zielrichtung der beabsichtigten Interpretation und eine “gesteuerte“ Rezeption gleichsam simultan auf den Punkt zu bringen, was in einer Live-Situation meist nur sukzessive passieren kann.

Die inhaltliche Konzeption lag bei “Musikakzente 21. Jh.“ resp. Eberhard Kloke, die mediale Umsetzung bei Brigitte Witzenhause.

Filme rheingold_welten neither_nor kliniktot flippi_beethoven kommunikation 1+2 babij jar raf_tod rituale chaos statt musik mahler-ives c/o night variations on america

Animationen prisma_morton klangdistrikte kultur-netz-werk

Ein Treffen in Telgte… Die Reise Mediale REISE Dokumentation

Am 12. Juli 2003 fand im Gebiet des Kultur-Raumes REGIONALE 2004 (NRW) das Projekt “Ein Treffen in Telgte… Die Reise“ statt. Diese musikalische Reise an 9 Orten und in 6 Städten war gleichsam Auftaktveranstaltung für die REGIONALE 2004 und deren “Brückenschläge der Musik- links und rechts der Ems“ in dieser Region 2004. Die inhaltliche Konzeption und künstlerische Umsetzung lag bei “Musikakzente 21. Jh. “ resp. Eberhard Kloke.

Die Konzeption der CD-Rom-Dokumentation greift das LEITMOTIV DER REISE auf und setzt somit wie auch die Aufführung selbst auf die Mobilität der Rezipienten. Entlang der Reise-Route wird jeder Aufführungsort der Reise in acht Stationen und einem Vorspiel in einer Clip-Dramaturgie durch jeweils 3 Menü-Unterpunkte umfassend dokumentiert: Programm – Produktion – Movies Diese Navigations-Trias präsentiert sowohl die genaue Programmabfolge und gibt Einblicke in den Probenprozess/Hintergrundinformationen als auch Filmclips der Aufführung am 12.07.03.

Stationen: Telgte            Emsauen Brücke Warendorf         Marktplatz Warendorf         Emsbrücke Ostbevern         La Folie Unterwegs         Kanalübergang Greven            Baumwollspinnerei Steinfurt         Le Bagno Münster           St. Lamberti Münster           Stadthafen

Elemente der Medien-Konzeption

- Präsentation der genauen Programmabfolge in Schrift - Dokumentation des Probenprozesses durch Filmclips - Filmclips der Aufführung am 12.07.03, Publikumsreaktionen

- Gesamt-Volumen Video: 60 min in Clip und Komprimierung - Option “full-screen“ für alle Video-Clips - Fotos als athmosphärischer Einstieg in die jeweilige Station - Audio-Reiseerklärung für jede Station: “idee konzept“

- Präsentation des Veranstalters “Regionale“,   Einleitung/ Text zur Veranstaltung “Reise“ - Interview mit Eberhard Kloke zur Idee/Konzeption des Projektes - Darstellung Team “Reise“ gesamt

Ancient Voices Programm: Charles Ives: „The Unanswered Question“ (A Cosmic Landscape, 1908) in der Bearbeitung für Streicher-Klangband, fünf Soli, zwei Flöten, Klarinette und Oboe von Eduard Clark (2002)

Gustav Mahler: „Lieder eines fahrenden Gesellen” (1884/85) in der Bearbeitung für Klavier, Harmonium, zwei Flöten, Klarinette, Oboe und große Trommel von Eduard Clark (2002)

Charles Chaplin: Rede aus „Der große Diktator“

Wolfgang Rihm: „Wölfli-Liederbuch“ für Bariton, Klavier und zwei große Trommeln (1980/81)

Das Leitmotiv des Programms bildeten Schuberts Klavierlieder aus der Winterreise. Sie haben die Klang-Räume an verschiedenen Orten vermessen und setzten den Kontrapunkt zu den Reiseabschnitten aus Programmteilen des 20. Jahrhunderts. Mit ancient voices sind Stimmen gemeint, die aus der Vergangenheit in unsere Gegenwart hineinklingen, aber auch „innere“ Stimmen, die ein eigenes Netz von bewusstem und unbewusstem Denken und Fühlen heraufbeschwören. Rihms „Wölfli-Lieder“, Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“ und Lorcas/Crumb’s „Ancient Voices“ sind exemplarische Monologe, die durch das vielmaschige Erzählgewebe verschiedene Schichten von inneren Dialogen freilegen und dem Hörer und Zuschauer die Möglichkeit geben, sich mittels der theatralischen Transformation „einzuklinken“.

Das Ungewöhnliche der Arbeit bestand darin, aus einem theatralischen “Unort“ - morbide Fabrikhallen einer verlassenen Industrieruine - konkrete real-theatralische Ebenen zu schaffen, die mittels des dramatischen Gravitationsfeldes ancient voices ein neues künstlerisches Gesamtwerk ergaben.

Durch diese konkrete Bezugnahme auf den “Ort“ in seiner räumlich –architektonischen Voraussetzung wie inhaltlichen “Verortung“, gelang es, Situationen zu schaffen, die die theatralische Grundfrage neu stellen und beantworten sollten. Die Aufteilung von Musik, Text und Raum- Installation musste als konzeptuelles Unterfangen neu strukturiert und entschieden werden, bevor eine interpretatorische Zusammenfügung erfolgte. Rihms „Wölfli-Lieder“, Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“ und Lorcas/Crumb’s „Ancient Voices“ als exemplarische Monologe im Gravitationsfeld ancient voices, wurden durch ein /ihr musikalisches Erzählgewebe in Kontrapunkt gebracht.

Der Wechsel der unterschiedlichen szenischen Räume, der Wechsel von Sprache und Musik, von Sprechen und Singen, von Klavier zu Kammerbesetzung machten das Programm kontrastreich und dabei sinnlich nachvollziehbar. Der Text war ebenso Struktur im Raum und wurde gleichberechtigt wie Musik, Licht und Installation behandelt. Dabei ging es nie nur um die Bedeutung der Worte, des Textes oder der Musik, sondern primär um die Darstellung einer „theatralischen“ Idee.